KI-SucheSeptember 2024

Baidus KI behauptete, ein Anwalt sei verurteilt worden. Das war falsch.

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Als der Anwalt Li Xiaoliang bei Baidu eine Frage zu einer angeblichen Verurteilung aufrief, antwortete die KI-Suche: drei Jahre Haft. Daneben zeigte sie sein Foto. Eine solche Verurteilung gab es nicht. Li verklagte Baidu. Zwei Gerichte in China stellten fest, dass die KI-Antwort seinen Ruf geschädigt hatte. [1] [2]

Kurz erklärt

  • Was geschah: Baidus KI-Suche behauptete, Li sei wegen einer Straftat zu drei Jahren Haft verurteilt worden, und zeigte dazu sein Foto. Belegt ist diese Antwort auf eine Frage, die eine Verurteilung bereits voraussetzte. [1]
  • Folgen: Baidu musste sich bei Li schriftlich entschuldigen. Schadensersatz erhielt er nicht. Die falsche KI-Antwort war spätestens bei der ersten Gerichtsverhandlung entfernt. [1] [2]
  • Warum es wichtig ist: Aus einer Frage mit falscher Voraussetzung machte das System eine Tatsachenbehauptung über Li und zeigte dazu sein Foto. Die Gerichte beurteilten diese KI-Antwort anders als die gewöhnlichen Suchvorschläge. [1] [2]

Kontext: KI-Antwort in der Suche · Falsche Behauptung über eine Straftat · China, 2024–2026

Der Vorfall

Am 30. September 2024 erschien bei Baidu auf die Frage „Zu wie vielen Jahren wurde Anwalt Li Xiaoliang verurteilt?“ eine klare Antwort der Funktion AI Smart Answer: drei Jahre Haft wegen eines Explosionsdelikts. Daneben stand ein Foto von Li in Anwaltsrobe. Li arbeitet als Anwalt in Nanjing. Die Behauptung über eine Verurteilung war falsch. [1] [2]

In den Tagen davor hatte Li Suchvorschläge gesehen, die eine Verurteilung nahelegten. Nach seiner Darstellung folgte er einem solchen Vorschlag. Baidu hielt vor Gericht dagegen, seine Fragen seien suggestiv gewesen; ein Fehler der KI sei nicht vorhersehbar. Belegt ist die falsche Antwort auf genau diese Frage. Ob eine neutrale Suche nach Lis Namen dieselbe Antwort geliefert hätte, zeigen die Quellen nicht. [1]

Li sagt, er habe sich während des Vorfalls bei Baidu beschwert. Später verklagte er das Unternehmen sowohl wegen der KI-Antwort als auch wegen der Suchvorschläge. [1] [2]

Was die KI tat

Baidus System zeigte nicht bloß Links oder vorgeschlagene Suchanfragen. Es formulierte eine eigene Antwort und stellte sie neben Lis Foto. So wurde aus der Frage die Behauptung, dieser Anwalt sei verurteilt worden. Das erste Gericht sah darin eine falsche, rufschädigende Aussage über Li und machte Baidu für ihre Erzeugung und Veröffentlichung verantwortlich. [1] [2]

Die Suchvorschläge waren ebenfalls Gegenstand des Verfahrens. Das Gericht stellte für sie in diesem Fall jedoch keine Verletzung von Lis Rechten fest. Ebenso wenig ist geklärt, woher die falsche Vorstellung einer Verurteilung ursprünglich kam. Die geprüften Quellen enthalten weder das Material, auf das die KI zurückgriff, noch ein Protokoll der Erzeugung dieser Antwort. [1]

Warum das wichtig ist

Eine Frage kann schon eine falsche Voraussetzung enthalten. Ein KI-System muss sie nicht übernehmen. Baidus KI tat es hier: Sie gab eine bestimmte Haftstrafe an und verband die Aussage mit dem Foto eines realen Menschen. Wer das Suchergebnis sah, bekam eine scheinbar gesicherte Antwort von Baidu präsentiert. [1]

Die Gerichte sahen in dieser erzeugten Antwort eine Rufschädigung. Wie viele andere Menschen sie gesehen haben, ist hingegen nicht bekannt. Auch ein Verlust von Mandanten oder ein bestimmter finanzieller Schaden ist nicht belegt. Die angeordnete Entschuldigung ist eine nachweisbare Folge des Vorfalls. Weitere Folgen sind damit nicht belegt. [1] [2]

Was danach geschah

Bei der ersten Gerichtsverhandlung bestätigten beide Seiten, dass die falsche KI-Antwort bereits entfernt war. Wann genau, ist unbekannt. Im September 2025 entschied das Gericht von Nanjing Jiangbei New Area, dass Baidu sich schriftlich bei Li entschuldigen müsse. Li hatte außerdem die Löschung, eine öffentliche Entschuldigung auf Baidus Website und insgesamt mehr als 450.000 Yuan als Ausgleich für geltend gemachte finanzielle und psychische Schäden verlangt. Das war seine Forderung, kein gerichtlich festgestellter Schaden. Die Löschung musste das Gericht nicht mehr anordnen. Auch die öffentliche Entschuldigung auf der Website lehnte es ab. Die Schadensersatzforderungen wies es mangels Belegen für die geltend gemachten Schäden zurück. Baidu legte Berufung ein, doch das Mittlere Volksgericht von Nanjing bestätigte die Entscheidung am 12. März 2026. [1] [2]

Weil die Entschuldigung zunächst ausblieb, beantragte Li die Vollstreckung. Am 22. September 2026 erhielt er sie nach eigener Darstellung vor Gericht. In der von Medien wiedergegebenen Fassung räumte Baidu ein, dass die KI-Antwort sein Bild mit falschen Angaben verbunden hatte. Das Originalschreiben lag uns für diesen Artikel nicht vor. [3] [4]

Falldetails

Für alle, die die Rekonstruktion genauer prüfen möchten

Wie aus der Frage eine falsche Behauptung wurde

Li gab eine Frage ein oder wählte sie aus; sie setzte eine Haftstrafe bereits voraus. Die KI-Suche nannte eine konkrete Haftstrafe und verband sie in einem öffentlich zugänglichen Suchergebnis mit seinem Foto. Das erste Gericht unterschied diese erzeugte Kombination aus Text und Bild von automatisch ergänzten Suchbegriffen und verwandten Suchanfragen. [1] [2]

Was gesichert ist

Berichte über die Urteile und ein Bericht aus dem Umfeld der Gerichte stimmen beim Kern überein: Die KI behauptete eine dreijährige Haftstrafe, zeigte Lis Foto, und das Gericht stellte eine Rufschädigung fest. Baidu musste sich schriftlich entschuldigen. Nach dem gerichtsnahen Bericht bestätigten beide Seiten bei der Verhandlung, dass die Antwort bereits entfernt war. Die Berufung scheiterte im März 2026. [1] [2]

Was offenbleibt

Die vollständigen Urteile, das ursprüngliche Erzeugungsprotokoll der KI und Lis Beschwerdeschreiben haben wir für diesen Artikel nicht eingesehen. Li datiert ein Anwaltsschreiben auf den 27. September – drei Tage vor der belegten KI-Antwort. Ob es sich auf die Suchvorschläge, eine frühere KI-Antwort oder beides bezog, ist unklar. Auch die Quelle der falschen Strafbehauptung kennen wir nicht. [1] [5]

Es gibt keine belastbare Zahl dazu, wie oft die Antwort angezeigt wurde. Verlorene Mandanten und ein finanzieller Schaden sind nicht nachgewiesen. Li sagt zudem, Baidu habe eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Bis zum Recherchestand vom 27. September 2026 fanden wir keinen gerichtlichen Bescheid darüber, ob der Antrag angenommen oder entschieden wurde. [2] [4]

Zeitlicher Ablauf

Datum Ereignis
25. September 2024 Li bemerkt Suchvorschläge, die eine Verurteilung nahelegen.
27. September 2024, laut Li Er schickt Baidu ein Anwaltsschreiben; worauf genau es sich bezog, ist ungeklärt.
30. September 2024 Die KI beantwortet eine suggestive Frage mit der falschen Haftstrafe und Lis Foto.
Spätestens bei der ersten Gerichtsverhandlung Beide Seiten bestätigen, dass die KI-Antwort entfernt wurde; das genaue Datum ist unbekannt.
September 2025 Das erste Gericht stellt eine Rufschädigung fest und ordnet eine schriftliche Entschuldigung an.
12. März 2026 Das Berufungsgericht bestätigt die Entscheidung.
22. September 2026 Li berichtet, dass er Baidus Entschuldigung vor Gericht erhalten hat.

Der Ablauf stützt sich auf die Berichte über die Urteile, den gerichtsnahen Bericht und Lis kenntlich gemachte Angaben. [1] [2] [5] [3]

Quellen


  1. The Paper, Bericht über die Urteile, 9. Mai 2026. Bericht auf Grundlage des erstinstanzlichen Urteils, der Berufungsverhandlung und ihres Ergebnisses; mit Abbildungen der KI-Antwort und eines Teils des ersten Urteils. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  2. People's Court Daily / Tianping Yangguang, Fallbericht, 6. Juni 2026. Gerichtsnaher Bericht zur falschen Antwort, ihrer Entfernung, den Forderungen und dem Urteil; geprüft anhand eines vollständigen Abdrucks bei Sina. Die Einordnung des Artikels ist von den gerichtlichen Feststellungen zu unterscheiden. ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  3. Beijing Daily, Bericht über die Entschuldigung, 22. September 2026. Berichtet auf Grundlage von Lis Angaben über die Übergabe und den Inhalt der Entschuldigung. ↩︎ ↩︎

  4. Red Star News, Bericht vom 22. September 2026. Lis Angaben zur Entschuldigung und zum Wiederaufnahmeantrag; ein gerichtlicher Bescheid lag uns nicht vor. ↩︎ ↩︎

  5. Cover News, Interview mit Li, 9. Mai 2026. Lis Darstellung des Anwaltsschreibens vom 27. September und seiner Beschwerden; geprüft anhand eines Abdrucks bei Sohu. Das Schreiben selbst lag uns nicht vor. ↩︎ ↩︎

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